Christian L. Attersee über Saša Makarová: Frauen werden schön geboren

Man könnte mich immer wieder mit Reichtümern dieser Welt überhäufen, man könnte mir die goldenen Sterne vom Himmel in meine Ärmel stecken, den Frühling und die restlichen Jahreszeiten dazu,… Zuletzt würde ich jedoch nach dem Erstaunen, Entzücken, nach Erregung und der Vielfalt der Erotik greifen, das Feuchte und sein Schein ist eher meine Welt, meine Laterne zum goldgeäderten Fleisch mitternachts oder gerade jetzt.

Makarovás Frauendarstellungen wirken wie künstliche Blüten, ausgestellt, wartend auf Zeichen, wartend auf neue Zweige der Liebe. Sie wirken wie Barprinzessinnen im Zauberzaumzeug, wirken sprachlos in unser modernes Leben gepresst, Geldschrank, Barhocker und die meist florale Zimmerecke sind Zutaten, begrenzen den Raum, den geschlossenen Mund.
Beim Betreten von Makarovás „Bühnen“ führt sie uns in phantastische, dem Betrachter entgegentaumelnde Farbnovellen; über all dem schwebt eine geheimnisvolle Unruhe. Linie und Klang, Farbe und Dichtung vertreten Stimmungen und Gedanken einer sehr persönlichen Sicht der menschlichen Begegnungen, gemalt mit eigenständiger Handschrift und der ihrem Werk anhaftenden Neigung zum Expressiven.
Makarovás Frauen haben den 13. Blick, ihnen bleibt nichts verborgen – dazu entschlossene Hände, Zaudern und Furcht sind platzlos, man spürt den Lockruf zu außergewöhnlichen Stunden, man möchte einbrechen in die verführerische Farbwelt dieser Frauenkörper, will Dieb und Liebender sein in den Bildlichtern, die den Geruch trügerischen Aufputzes spiegeln.
Die seelenlosen, plakativen Tapetenstücke aus Matisses Bildern können wir in ihren Bildern wieder finden; aber bei Makarová sind diese Bildteile kein Falschgeld, wir bewegen uns im Bereich ihrer entzündeten Palette, im Bereich von Gladiolen und Schwertern, hier wird der Rock gehoben, Wetter und Kacheln können auch bluten, der Pinselstrich gleicht Kratzen und auch dem Flug der Schwalben.
Triebenergie im Kunstwerk zeigt sich in ihrer Bilderwelt als Zuneigung zum Mann, zu Frau, zu Wolf und Fuchs, zu den Orten des Geschehens, die Bausteine des Eros vermauern hier keinen anstößigen sexuellen Tatbestand, vielmehr erzählen sie von der Sprengkraft menschlichen Bewusstseins, von der Jagd nach Sehnsucht und neuer Freiheit. Es werden keine Süßigkeiten angeboten, auch kein Spielzeug verteilt; die Botschaft heißt: ich erwarte Dich.
Der Blick der „Matrosin“ unter blumenbehangenen Ästen ins leere Glas des Lebens – wo auch immer – zeigt uns Aufruf und Verlockung zur Pflicht, Erotik als Grundlebensmittel zu erkennen. Makarovás Frauenbilder sind Aufforderung, Menschenblumen zu entkleiden, sind Aufforderung, diese Tätigkeit als Schöpfungsbeteiligung zu sehen. Das macht ihre Bilder notwendig und einmalig… oder zweimalig: Frauen werden schön geboren.

Attersee, Wien, Oktober 2007