Julian Schutting über Saša Makarová

Julian Schutting: Der österreichische Schriftsteller in einer Rede über Saša Makarová.

Julian Schutting:
Der österreichische Schriftsteller in einer Rede über Saša Makarová.

Saša Makarová ist eine Bildbändigerin, eine Tigerin, die ihre inneren Bilder auf der Leinwand zu bändigen weiß, eine den Schlangenbeschwörern vergleichbare Heraufbeschwörerin ihrer Imaginationen, sie macht diese nach ihren Pinselstrichen tanzen. Sie verhilft der Auffassung zum Sieg, dass Kunst sich der Sichtbarmachung verschworen hat: Es ist der Sieg über die Quadratelmaler.

Kraftvolle Konzentriertheit ist ihren Bildern zueigen, gewiss nicht kontemplative Stille, was ja ganz entgegen ihrem Temperament wäre, ihrer Vitalität; ein ungestümes Drängen, ein Expandieren wohnt ihr inne, was durchaus mit Stilisierung und Äquilibristik innerhalb der Bilder einhergeht. Ihre Bilder werden wohl auch Filterungsprozesse durchschritten haben, eine Zurücknahme da und dort des wilden Schwunges, aber sie befinden sich auf einem anderen Ufer als die Meister der Reduktion und der hermetischen Verinnerlichung. Das Malen ist ihr nichts Asketisches, sondern überhöhte Sinneslust, mit Witz beherrschte Angriffslust.

Die kleine Form beherrscht sie, indem sie sich diese unterwirft und gefügig macht, ganz ohne verspielten Hang zum Ornamentalen, aber ihr Element ist das große Format und sie hat die sinnliche Kraft der Expression, an keiner Bildstelle nimmt der Kraftstrom ab. Man müsste ihr eine Kirche zum Ausmalen anvertrauen, ein biblischer Zyklus würde uns vermutlich zu teil, inspiriert vom Mythos der Schöpfungsgeschichte und von den wilden Geschichten des Alten Testaments. Womit auch gesagt sei, dass Makarová eine Dramatikerin ist und nicht eine vergeistigt-anämische Lyrikerin. Sie geht energisch ihren Weg ohne Konzessionen an den launenhaften und rasch hinweggewehten Zeitgeist. Aufgrund ihres technisch brillanten Fundaments und ihrer soliden Studienjahre, während derer sie auch als Restauratorin ausgebildet wurde, hat sie ihren Stil gefunden in der Beschäftigung mit und in der Einverleibung von Kunstrichtungen, die transformiert in ihrem Werk fortbestehen. Es sind dies die Ikonen- und Freskenmaler und die Expressionisten.

Ihre weibliche Aggressivität, gebändigt durch Witz, bleibe ihr erhalten und das Durchsetzungsvermögen, das sie auf der Leinwand beweist, mache sie bald zu einer allgemein berühmten Malerin mit nicht nur Kunstwert, sondern auch Marktwert. Eine Wohltat, dass sich in den Arbeiten der jungen Künstlerin Alexandra Makarová die schöne Kunstwahrheit bestätigt, dass Kunst tatsächlich von „Können“ kommt, als der Voraussetzung für die Belebung und Beseelung des ansonsten tot Geborenen; oder dass Malerei immer noch Sichtbarmachung ist, ob nun von Seelenstimmungen, Obsessionen, von Traumwirklichkeiten, in deren dunklen Gestalten noch unbewusstes Erinnern enthalten ist an unsere „primitiven“ Ahnen, an von uns vor langem abgestreiftes Archaisches und die uns mitverlorenen Mythen. Ausdruckskunst ist das, die sich virtuos und kraftvoll von all den Stadien und Studien freigemacht hat, die die Künstlerin aus Freude an technischer Perfektionierung durchlaufen haben dürfte, zur Gewinnung einer eigenen Welt- und Innensicht: durch manche Bilder scheint noch lustvolles Rivalisieren mit den ganz Großen durchzuschimmern, auch Lust am Experimentieren und am Auskosten der vielfältigen Begabung: Die hohe Technik im Figuralen und somit in der Reduktion bis hin zur Auflösung der Formen in einer Aura, Domäne der Farben.